Prof. Dr. Susanne Lilian Gössl

Digitalisierung


Was bedeutet Digitalisierung? Oder was bedeutet Digitalisierung im Recht?

Informationen zum Schwerpunkt 4.3 (Wirtschaftsrecht mit Kartell- und Urheberrecht) finden Sie hier.


Digitalisierung ist zurzeit ein Modewort, oder, laut Wikipedia, sogar die Bezeichnung eines „Megatrends“: Digitalisierung bezieht sich hier auf die digitale Transformation, welche mittlerweile alle Bereiche von Wirtschaft, Staat, Gesellschaft und Alltag durchdringt.

Wer sich wissenschaftlich mit der Digitalisierung in diesem Verständnis beschäftigt, beschäftigt sich mit den Potentialen, Chancen und Gefahren, die sich aus dem Umgang mit digitalen Technologien ergeben.Darstellung Social Media

Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten, unser Leben durch Techonologien oder Anwendungen wie beispielsweise Big-Data, Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, E-Commerce, Smart Home, Online-Streitbeilegung oder Industrie 4.0 zu vereinfachen und viele Prozesse zu erleichtern.

Sie birgt aber auch Risiken für die Nutzer dieser Technologien, etwa bezogen auf ihre informationelle Selbstbestimmtheit, den Datenschutz, den Arbeitsmarkt und das gesellschaftliche Zusammenleben, wenn Datenalayse zur Meinungsmanipulation genutzt wird. Das Recht muss sich daher im Zuge der digitalen Revolution weiterentwickeln und Regelungen für die neu entstandenen Technologien schaffen, um diese Risiken einzudämmen. Kinder vor Computer Insbesondere muss es sich derer annehmen, die besonders schutzwürdig vor diesen Gefahren erscheinen, etwa geschäftsunfähige, insbesondere minderjährige Menschen, aber auch auf sonstige Weise körperlich oder sozial benachteiligte Personen.

Welt und Social Media Besondere Herausforderungen für das Recht entstehen darüber hinaus aufgrund der Globalisierung, die durch den Einsatz digitaler Technologien verstärkt wird: Physische Landesgrenzen spielen im digitalen Bereich eine weniger gewichtige Rolle. Es war nie einfacher, Waren und Dienstleistungen weltweit anzubieten. Das Recht der Digitalisierung lässt sich daher nie außerhalb des europäischen und internationalen Rahmens betrachten.

Die Digitalisierung bestimmt das Recht nicht nur inhaltlich sondern auch operativ. So wurde etwa 2018 mit der Einführung des besonderen elektronischen Anwaltspostfaches der Postweg zwischen Anwält*innen, Gericht und Behörden digitalisiert. Wie in vielen anderen Bereichen ermöglicht die Digitalisierung auch in der juristischen Praxis die Automatisierung von Arbeitsabläufen. Seit einigen Jahren nehmen sogenanne Legal Techs Jurist*innen die Arbeit ab, indem sie unter anderem automatisiert Klagen vorbereiten. Auch übernehmen Stellen durch die Online-Durchführung von Rechtsstreitigkeiten teils die Funktion, die ursprünglich für Gerichte vorgesehen war.

Diese digitale Revolution steht eher an ihrem Anfang als an ihrem Ende. Erste Berührungspunkte mit der Digitalisierung im Recht sollten wwwJurastudierende daher nicht erst auf dem Arbeitsmarkt sondern bereits im Studium haben. Die Lehre sollte sich deshalb einerseits inhaltlich stärker an der Digitalisierung ausrichten und Internetrecht oder Medienrecht einbeziehen. Andererseits kann auch die Umsetzung der Lehre von den neuen technischen Möglichkeiten profitieren, insbesondere hinsichtlich der Online-Verfügbarkeit von Vorlesungsmaterialien, dem Einsatz von Voting-Apps in den Veranstaltungen und dem Anbieten von digitalen Klausurenkursen, Sprechstunden, Podcasts und Lernvideos.

Sehen Sie hierzu doch bereits unsere Sammlung an digitalen Lernangeboten, die durch die Corona-Krise und den damit verbundenen Fernstudiums-Zwang gerade rapide zunehmen.