Prof. Dr. Susanne Lilian Gössl

URHEBERRECHT


Mit Rechten des geistigen Eigentums kommen wir alle täglich in Berührung, insb. dem Urheberrecht: Wir lesen urheberrechtlich geschützte Artikel in Zeitungen, hören urheberrechtlich geschützte Musik und zahlen beim Kauf eines neuen Handys automatisch eine sog. Speichermedienabgabe, die Urheber*innen zugutekommt. Oft sind wir auch selbst Schöpfer*in eines urheberrechtlich geschützten Werks, ohne dass uns dies bewusst sein oder es als solches angemeldet werden muss. Urheberechtsschutz genießen wir meist direkt, wenn wir einen Text schreiben, ein Lied komponieren oder Fotos schießen, aber auch wenn wir Software programmieren oder in sonstiger Weise schöpferisch tätig sind.Musik hören

Das Urheberrecht kodifiziert bestimmte Rechte für kreativ Schaffende und ermöglicht es ihnen, sich gegen Urheberrechtsverletzungen zu wehren. Dabei werden die Schöpfer*innen nicht nur vor einer unzulässigen Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe des Werks selbst geschützt, sondern auch vor Verletzungen des sog. Urheberpersönlichkeitsrechts – wie der Entstellung eines Werks. Persönlichkeitsschutz und wirtschaftliche Interessen greifen hier ineinander, können aber auch zum Konflikt führen.

Da einzelne Urheber*innen häufig zu schwach sind, ihre Rechte gegenüber Verlagen oder anderen Unternehmen durchzusetzen, haben sich sog. Verwertungsgesellschaften gebildet, welche die Rechte von Künstler*innen treuhänderisch wahrnehmen. Sie vergeben für diese Lizenzen, streichen Lizenzgebühren ein und klagen gegen Rechtsverletzungen. Bekannt sind insb. die GEMA in der Musik- branche sowie die VG Wort für Werke in Textform.

Urheberrechtlich geschützte Werke werden regelmäßig international genutzt und verbreitet, man denke nur an Kinofilme aus Hollywood, Pop-Musik oder gängige Software-Lizenzen. Immaterialgüterrechte können daher nicht rein national gedacht werden. Staatsverträge und europäische Regelungen sollen grenzüberschreitende Anerkennung sowie Nutzungen ermöglichen und vereinheitlichen. Von einem einheitlichen Urheberrecht oder Internationalen Urheberrecht sind wir aber selbst in der EU noch weit entfernt.

StreamingWerke zu vervielfältigen und zu verbreiten fällt dank der Technik leichter denn je. Der Werkgenuss verlagert sich seit einigen Jahrzehnten zunehmend in den digitalen Raum. Dies stellt das Urheberrecht vor neue Herausforderungen. Umso schwerer wird es für Urheber*innen im unüberschaubaren World Wide Web Verletzungen ihrer eigenen Urheberrechte überhaupt wahrzunehmen oder umgekehrt keine Urheberrechtsverletzungen zu begehen. Ist es etwa legal, online gestellte Katzenfotos mit einem eigenen Spruch oder Musik zu versehen und auf Instagram zu posten? Wer hat die Rechte an der so veränderten Datei? Und welche Rolle kommt der Technik zu, etwa bei sog. Upload-Filtern, dem IP-Adressen-Tracking und der Nutzung von Blockchain?